Gerüchte, sinnlose Aufgaben, gezielte Ausgrenzung: In seiner Kolumne beschreibt Peter Braune, wie ein Kfz-Mechatroniker-Azubi schikaniert wurde. Der Ausbildungsberater schildert, wie der Betrieb die Situation noch rechtzeitig drehen konnte.

Für einen jungen Mann erfüllt sich ein Traum. Er bekommt in einem Autohaus mit angeschlossener Werkstatt einen Ausbildungsplatz als Kraftfahrzeug-Mechatroniker. Im Verlauf der Ausbildungszeit wird er jedoch immer mehr schikaniert oder ausgegrenzt. Es handelt sich um mehr als die üblichen Streitigkeiten, die im Betriebsablauf vorkommen können. Vielmehr werden Gerüchte verbreitet, Informationen vorenthalten, oder es werden ihm sinnlose Tätigkeiten übertragen. Zunehmend beschleicht ihn das Gefühl, dass man ihn fertigmachen will. Natürlich ist ihm klar, dass er sich als Auszubildender in einer unterlegenen Position befindet. So entsteht eine Täter-Opfer-Umkehr: Er ist Opfer von Mobbing, wird aber im Ernstfall als Täter dargestellt. Die Gefahr besteht darin, dass ihm anstelle der mobbenden Personen die Schuld zugeschoben wird.
In unserem Fall geht das Mobbing nicht nur von einer Person aus, die ganze Belegschaft ist beteiligt. Der Lehrling scheint dafür ein leichtes Ziel zu sein, weil er etwas schüchtern und ein bisschen dicker ist. Das genügt in seiner Situation offensichtlich schon.
Er ist ständig im Stress und hat Angst, dass jederzeit wieder ein Angriff kommen könnte. Diese Lage hinterlässt auch Spuren in seinem Lernverlauf. Die Ergebnisse der Lernerfolgskontrollen werden immer schlechter. Seine Angst zu versagen wächst mehr und mehr. Schließlich fühlt er sich so blockiert, dass im Betrieb und in der Berufsschule die Leistungen nach unten rauschen. Vermutlich wird das Mobbing auch Einfluss auf sein Privatleben haben. Die gesundheitlichen Folgen des Mobbings werden bestimmt ebenfalls nicht ausbleiben. Die Symptome könnten Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden oder depressive Verstimmungen sein.
Klärendes Gespräch entschärft die Problematik
Als der Ausbildende die Situation endlich erkennt, ist es zum Glück noch nicht zu spät. In einem Gespräch mit dem Ausbildungsverantwortlichen wird gemeinsam eine Lösung gefunden. Alle gehen wieder freundlich und aufbauend miteinander um. Als vorbeugende Maßnahme werden Unternehmensrichtlinien erarbeitet, die zu klaren Spielregeln und einem menschlichen Miteinander beitragen sollen.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sich Betroffene wehren sollten, indem sie die Vorfälle klar benennen und sich an die Meisterin, den Meister oder andere Vertrauenspersonen wenden. Schweigen hilft nicht. Die Vorgänge sollten schriftlich festgehalten werden. Es ist wichtig, die Probleme frühzeitig anzusprechen, um weitere Vorfälle zu verhindern. Mobbing ist das Verhalten der Täterinnen und Täter. Das hat nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun. Die Gemobbten sind nicht schuld.
Ernsthafte Konsequenzen bei Mobbing
Ausbildende haben eine Fürsorgepflicht und müssen dafür Sorge tragen, dass es den Auszubildenden gut geht. Bei schwerwiegenden Verstößen könnten sie mit einem Bußgeld belegt werden und unter Umständen sogar die Ausbildungserlaubnis verlieren. Personen, die nachweislich gemobbt haben, müssen mit rechtlichen Folgen rechnen. Dazu gehören Ermahnung, Abmahnung und Kündigung.
Hilfestellen aufsuchen
Außerhalb vom Ausbildungsbetrieb gibt es verschiedene Anlaufstellen bei denen Hilfe angeboten wird. Dazu gehört vor allem die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer. In der Agentur für Arbeit bieten Fachkräfte Unterstützung bei solchen Schwierigkeiten während der Ausbildung an. Gegebenenfalls kann bei einer Telefonseelsorge das Problem erörtert werden – oft kostenlos und anonym. Außerdem gibt es Beratungsstellen und Online-Foren, in denen ein Austausch mit anderen Betroffenen möglich ist.
Es gibt Schätzungen, nach denen in jedem Jahr etwa eineinhalb Millionen Menschen im Betrieb gemobbt werden. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Krankenstand, medizinische Versorgung und Frühverrentung soll rund fünfzig Milliarden Euro betragen.